adonnaM.mp3
Über die Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung
Eine MP3-Chronologie
Fotos der Ausstellung
Die Designarbeiten
Markus Bader: Lux
Gregor/Jesek/Schröder: Coverbox
Meso: Heavy Rotation Revisor
Schoenerwissen: Minitasking
Zirkeltraining: ReBraun
I love you
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO
Zirkeltraining: ReBraun


Bei dem MP3-System mit dem Titel „ReBraun“ handelt sich um eine Stereoanlage der Firma Braun aus dem Jahr 1962.

Diese wurde folgendermaßen modifiziert: Gehäuse und Plexiglashaube sind einige Zentimeter tiefer gelegt, statt Radioskala und Plattenspieler gibt es nur noch zwei TFTAnzeigen. Die originalen Schalter, Taster und Drehregler steuern wie bisher eine Kompaktanlage mit mehreren Komponenten. Aus der Paarung Radio und Plattenspieler entsteht die Kombination Radio/Internet-Radio/MP3-Player.

„Skinning“ nennt man den Prozess, Software frei gestaltbar zu machen; bei Programmen, die „skinnable“ sind, können Aussehen, Anordnung und sogar Verhalten der Bedienelemente frei definiert werden. Dasselbe Prinzip haben die Designer von „Zirkeltraining“ hier auf die Anlage angewandt: Ein handelsüblicher PC wird auf eine spezielle Aufgabe hin optimiert und erhält eine neue Haut, in diesem Fall eine nach den Prinzipien der „Ulmer Schule“ der 60er Jahre. Diese nüchternen Maßgaben der Zweckdienlichkeit und Sachlichkeit werden dabei aber neu arrangiert und spielerisch verändert: Die Beschriftung der eloxierten Frontplatte zitiert ironisch die Sprachgewohnheiten der elektronischen Gründerzeit (z.B. heißt die Funktion zum Aufrufen von Internet- Streams „Netz-Stationen“). Ein zufällig positionierter Knopf namens „Zufall“ steht für die Losgelöstheit von mechanischen Sachzwängen. Gegenstand der Gestaltung ist nicht mehr – wie traditionell – die Annäherung von Form und Funktion, sondern vielmehr die Positionierung in einem definierten Kontext durch „meta-gestalterische“ Entscheidungen: zum Beispiel die Wahl des zu zitierenden Objekts oder die Anordnung der vorgefundenen Bedienelemente.

„ReBraun“ ist ein Objekt aus der Serie „Bootleg Objects“, die sich der Umgestaltung von Alltagsgegenständen widmet. „Bootlegging“ bezeichnet ein Prinzip aus der Musik: Das unbekümmerte Umarbeiten von alten Hits zu einem neuen Stück, zumeist unter Missachtung kommerzieller und juristischer Reglements, wie Urheberschaft oder Marktfähigkeit.

Die Arbeit entstand aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Designern, Programmierern und Künstlern. Die Gruppe „Zirkeltraining.org“ versteht sich als „virtuelles Sport-Label“ für Design. Wie ein Trainingsziel entwickeln deren Designer eine Gestaltungsaufgabe. Für das Projekt „ReBraun“ schlossen sich die Designer Max Wolf und Markus Bader (Konzept/Gestaltung/Realisation) mit dem Programmierer Sebastian Oschatz (Software) zusammen. Dabei handelt es sich nicht um einen Prototypen für ein Serienprodukt, sondern um ein handgefertigtes Einzelstück. Der kunsthandwerkliche Aspekt erschöpft sich hierbei nicht in Gestaltung und Fertigung des Äußeren, sondern umfasst auch die maßgeschneiderte Produktion der Software. In diesem Sinne handelt es sich bei der Arbeit „ReBraun“ um ein „kunsthandwerkliches“ Objekt, das im Kontext der Ausstellung MP3 des Museums für Angewandte Kunst sein ideales Umfeld gefunden hat.

Hintergrund
Zirkeltraining wurde 2001 von Volker Klag und Max Wolf gegründet; seither verschiedene Kooperationen mit Designern und eigene Entwürfe. www.zirkeltraining.org
Oschatz und Wolf sind Mitbegründer des Medienlabors/ Designbüros meso (www.meso.net) und Entwickler der grafischen Programmiersprache „vvvv“, mit der auch die Software der „ReBraun“-Anlage programmiert wurde.
Markus Bader ( www.natural-reality.de) arbeitet als Künstler und Designer vorwiegend im Bereich Neuer Medien an der Verknüpfung von virtuellen und realen Objekten.