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Über die Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung
Eine MP3-Chronologie
Fotos der Ausstellung
Die Designarbeiten
Markus Bader: Lux
Gregor/Jesek/Schröder: Coverbox
Meso: Heavy Rotation Revisor
Schoenerwissen: Minitasking
Zirkeltraining: ReBraun
I love you
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO
Gregor/Jesek/Schröder: Coverbox


Warum sind Coverversionen so interessant? Was fasziniert Musiker immer wieder daran, Musikstücke neu zu interpretieren? Die „coverbox“ beheimatet derzeit etwa 500 Coverversionen im MP3-Format.

Kein Musiker entwickelt seine Musik im leeren Raum, aus dem Nichts; im Gegenteil: man befindet sich als Musiker in einem Kontext. Es existiert bereits ein riesiges Repertoire an produzierter Musik, auf die jeder zugreifen kann. Als Musiker möchte man vielleicht seine Wurzeln aufzeigen, einer bestimmten Musikrichtung, einem bestimmten bereits verstorbenen Musiker seine Referenz erweisen? Vielleicht möchte man eine Verbindung von der Vergangenheit in die Gegenwart schaffen, oder aus beiden Zeiten das jeweils beste und aufregendste zu einer neuen Version verknüpfen.

Coverversionen sind musikalische Adapter zwischen Cover- und Originalinterpreten. Der Liedtext, die Melodie oder Stimmung sind zwar noch erkennbar, werden jedoch zum Teil völlig neu interpretiert oder treten in einem komplett anderen musikalischen Kontext auf.

Die „coverbox“ schafft Verbindungen zwischen Musikern, die Jahre, Kilometer oder Weltbilder von einander entfernt sind. Beschriebe man das „Covern“ nüchtern als Musikrecycling, so bietet die „coverbox“ einen Blick auf einige der gelungensten Neubildungen.

Die Verarbeitung bis hin zur Enteignung von bestehendem musikalischem Material durch das „Covern“ stellt den Begriff des Originals in Frage. Aber die große Verfügbarkeit von Musik im MP3-Format durch Filesharing-Programme wie Napster verändert den Bezug zur Musik als Werk. Die „coverbox“ definiert sich durch die ausschließliche Verwendung von Coverversionen und wäre ohne das MP3-Format bzw. dessen leichte Zugänglichkeit nicht zu verwirklichen gewesen. Sie schafft es dennoch, durch die Vernetzung der Stücke Bezüge zum Original wiederherzustellen und das Werk in den Mittelpunkt zu rücken.

Die „coverbox“ versteht sich als passive Jukebox sowie als interaktiver Entertainer. Sie sucht bei Eingabe eines Startund Endinterpreten musikalische Verbindungen, die beide miteinander verknüpfen und einen Pfad über andere Interpreten hinweg entstehen lassen. Die Verbindungslinien sind die Coverversionen, die an- oder abgespielt werden können. Bei jeder neuen Eingabe zieht sich das Programm für eine kurze Denkpause zurück, um dann die nächsten musikalischen Verknüpfungen zu präsentieren. Die „coverbox“ wird mit Tastatur und Maus bedient und hat dennoch den Charme eines Videospiels, das der bildlosen Musik aus dem Internet ein Gesicht gibt. Die ausgewählten Coverstücke stehen in einem neuen Kontext, der ihnen gerecht wird und ihnen einen Sinn außerhalb des reinen Zitats gibt.

Idee, Programmierung: Sebastian Gregor
Idee, Musikrecherche: Tanja Jesek, Petra Schröder

Danksagung an:
Valentin Beinroth, Sylvie Hohlbaum, Katja Jesek, Tina Kohlmann, Napster, meso, Oliver Raszewski, Gregor Schubert, Tanja Schuh