adonnaM.mp3
Über die Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung
Eine MP3-Chronologie
Fotos der Ausstellung
Die Designarbeiten
I love you
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO
adonnaM.mp3 - Filesharing, die versteckte Revolution im Internet

Über die Ausstellung:

Im Laufe der letzten zehn Jahre ist viel darüber diskutiert worden, wie sich unsere Gesellschaft und das Privatleben jedes Einzelnen durch moderne digitale Technologien verändern wird. Das Phänomen des Filesharings ist ein besonders prägnantes Beispiel dafür, dass diese Revolution längst Einzug gehalten hat. Während medienwirksame Schlagworte wie MP3 oder Napster inzwischen auch in der öffentlichen Debatte allgegenwärtig sind, ist das eigentliche Grundprinzip des Filesharings weithin unbekannt: Peer-to-Peer, eine Art freiwilliger und dezentraler Netzwerkorganisation musikinteressierter Internetnutzer. In den Peer-to-Peer-Netzwerken ist ein schier unerschöpfliches Musikarchiv entstanden, das für jeden kostenlos zugänglich ist. Einzige Vorrausetzungen: Ein Computer, ein Internetanschluss und das nötige Know-How in der Bedienung der MP3-Technologie. Der Musikindustrie stellt sich das als lebensbedrohlich dar.

Ermöglicht durch die rasanten technologischen Innovationsschübe, markieren Peer-to-Peer-Modelle die Entstehung neuer Medien- und Kommunikationskanäle. Sie zeigen somit die dringende Notwendigkeit eines veränderten Umgangs mit Kulturgütern im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit an. Denkt man das Phänomen in seinen Konsequenzen durch, stehen letztlich sogar die künftigen Formen der Verteilung, Archivierung und des Zugangs zu Information und Wissen zur Debatte.

Es kollidieren dabei stets verschiedene ökonomische Interessen: neue Restriktionen treffen auf alte Freiheitsvorstellungen vom demokratischen Zugang zu kollektivem Wissen. Die langfristigen Auswirkungen dieses Konflikts kann man kaum überschätzen: "Freiheit", "Eigentum" oder "Copyright", mithin fundamentale Begriffe des gesellschaftlichen Zusammenlebens wie der künstlerischen und kunsthandwerklichen Produktion werden hier in Frage gestellt. Sie bedürfen entsprechend der veränderten Realität der Informationsgesellschaft einer Neudefinition.

Der MP3-Technologie kommt dabei fraglos die Rolle eines zeitgenössischen Werkzeugs zu. Der kompetente Umgang mit ihr und den Neuen Medien sind für den Einzelnen Grundvorrausetzungen der Teilhabe an den aktuellen Prozessen. Grund genug für die Abteilung digitalcraft im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, sich dem Thema zu widmen.

Die Ausstellung "adonnaM.mp3 " setzt sich mit dem komplexen Phänomen Audio-Datentausch und dem damit verbundenen Kompressionsstandard MP3 auseinander. Sie hinterfragt die Umwälzungen, die der Einsatz dieses digitalen Werkzeugs für Gesellschaft, Wirtschaft, Kunst und Design bedeutet. Darüber hinaus bietet „adonnaM.mp3“ auch eine kompakte Einführung in die Welt des Filesharings für Neueinsteiger.

digitalcraft tritt mit dieser Ausstellung für die Funktion eines Museums als neutrale Plattform ein, indem es rechtliche, soziale, wirtschaftliche und künstlerische Perspektiven des höchst kontroversen Phänomens erfasst und präsentiert. Filesharing wird als zeitgenössisches Vehikel beleuchtet, das die Grundlage für eine neue Art der Kommunikation bildet und Instrument kreativen Ausdrucks ist.

Themen der Ausstellung:
- Was ist MP3 und wie geht das eigentlich?
- Technologische Entwicklung, Abspielmedien und die Geschichte der Tonaufzeichnung
- Interessenkonflikte und Auswirkungen: Peer-to-Peer Communities, Kopierschutz, Urheberrecht und Copyright
- Alltagskultur im Netz und ihre veränderte Ästhetik: Kunst, Design und MP3
- Interaktive Workshops zum Thema Downloaden, Remixen und Komprimieren

Was erwartet den Besucher bei adonnaM.mp3?

Die Abteilung digitalcraft hat sich seit Jahren zum Ziel gesetzt, Aspekte der digitalen Alltagskultur zu analysieren und erforschen. Nach der Ausstellung „I love you“, die das Phänomen der Computerviren und der Sicherheit im Internet differenziert beleuchtete, widmet sich das „adonnaM.mp3“-Projekt nun der Frage nach dem Wissensaustausch über globale Netzwerke.

Die Ausstellungsmacher von „adonnaM.mp3“ haben dazu MP3 als Beispiel herausgegriffen, um die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Implikationen der Nutzung digitaler Technologien im Alltag zu veranschaulichen.

„adonnaM.mp3“ möchte dem Besucher einen vereinfachten Einstieg in die Kausalzusammenhänge bieten, die den Nährboden für die Sprengkraft des Themas bilden. Dazu dient beispielsweise eine Chronologie zu MP3, in der die wirtschaftlichen Zusammenhänge erläutert werden. Einen Überblick über den technologischen Hintergrund bieten die Beiträge des MP3-Pioniers Micronas, der auch Partner der Ausstellung ist. Weiter beabsichtigt „adonnaM.mp3“, einer interessierten Öffentlichkeit Know-how im Umgang mit digitalen Werkzeugen zu vermitteln. So wird eine repräsentative Auswahl kommerzieller Musikportale samt den ihnen zugrunde liegenden Business-Konzepten gezeigt. Eine offensive Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht auch die Zusammenstellung der meist genutzten Tauschbörsen, die mit einer Bedienungsanleitung zum Download auffordern. Die Workshopreihe „Digital Musician“ im Museum für Kommunikation rundet das didaktische Angebot ab.

In engem Kontext mit den Sammlungs- und Ausstellungsstrategien des Museums für Angewandte Kunst steht eine Auswahl an interaktiven Designarbeiten, die das MP3-Format als zentrales Element nutzen. Damit werden die abstrakten Ansätze von „adonnaM.mp3“ um eine sinnliche Dimension erweitert.

Die beteiligten Künstler:
Markus Bader – Lux
Gregor/Jesek/Schröder - Coverbox
Meso – Heavy Rotation Revisor
Schoenerwissen – Minitasking
Zirkeltraining – ReBraun

Das Ausstellungsobjekt Lux setzt sich aus einer modifizierten Diskokugel und der Internet-Seite http.//www.natural-reality.de/lux zusammen. An beiden Seiten des Systems kann dieselbe Reihe von MP3-Dateien, die durch Beiträge von Besuchern entsteht, abgespielt und mit eigenen Stücken ergänzt werden.

Die „Coverbox“ verbindet Pfade der Vernetzungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Musikern, Musiktiteln und Musiken. Derzeit befinden sich etwa 500 Coverversionen im MP3-Format in der „Coverbox“. Die Fülle überraschender Querverweise ergibt für den interaktiven Zuschauer immer wieder neue Schaubilder und Netzwerke.

Der Heavy Rotation Revisor ist eine Installation und gleichzeitig ein Instrument, das von vier Benutzern simultan bedient werden kann. Die Installation erlaubt es den Besuchern, Klänge aus laufenden Radioprogrammen zu remixen und auf Basis der Prinzipien des Samplings zu neuen Klangkollagen zusammenzufügen.

Minitasking, ein visueller Gnutella-Client, macht den Datenstrom des Gnutella Netzwerkprotokolls sichtbar und zeigt, wie Rechenprozesse und Protokoll-Dynamik funktionieren. Diese Arbeit (www.minitasking.com) ist ein Projekt von Schoenerwissen, Office for Computational Design (Anne Pascual und Marcus Hauer), das auf der Ars Electronica 2002 sowie auf der Transmediale.03 mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Bei ReBraun handelt es sich um eine Braun-Stereoanlage aus dem Jahr 1962, die als Hardware für das Bootlegging (Umarbeiten von alten Hits zu einem neuen Stück) mit maßgeschneiderter Software dient. Sie spielt mit ästhetischen Regeln des Produktdesigns für HiFi-Anlagen – und bricht sie.