adonnaM.mp3
Über die Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung
Eine MP3-Chronologie
Von den Anfängen bis Dezember 1998
Januar 1999 bis September 2000
September 2000 bis Ende 2001
Januar 2002 bis heute
Fotos der Ausstellung
Die Designarbeiten
I love you
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO

Luca Lampo & Marina Serina [epidemiC]

Eine MP3-Chronologie: Teil 4, Januar 2002 bis heute

Januar 2002.
KaZaA unterbricht zeitweise den Service. Es wird an Sharman Networks verkauft, eine australische Gesellschaft, aber der Besitz des FastTrack-Protokolls bleibt unverändert.

März 2002.
In der Berufungsinstanz wird das Urteil in den Niederlanden widerrufen: KaZaA ist nicht schuldig. Die Verantwortung liegt allein bei den Usern: den File-Swappers.

Morpheus, der FastTrack-Client von MusicCity,funktioniert nicht mehr und erklärt, von unbekannter Seite eine Denial of Service-Attacke (DoS) erlitten zu haben.

Denial of Service (DoS)
Denial of Service ist eine Klasse von Informatikangriffen, die über ein Computernetz aktiviert werden können. Das Ziel einer DoS ist, einen Netzservice zu unterbrechen. Benutzt man bestimmte Techniken, wird der „Zielservice“ durch eine zu hohe Anzahl an Zugriffen überlastet.


Morpheus entscheidet sich, das Besitzprotokoll FastTrack zugunsten eines auf Gnutella basierenden Open Source-Systems aufzugeben.
Es handelte sich aber gar nicht um eine DoS-Attacke: FastTrack erklärt, Morpheus geschlossen zu haben, Grund: „Die Rechnungen wurden nicht bezahlt“.

Viele Hochschulen der USA rücken von der allzu repressiven Haltung gegenüber File-Swapping der Studenten ab: „Im Prinzip sind Studenten unsere Kunden, und wir müssen versuchen, sie glücklich zu machen." (Russell Taylor, Lees-McRae College).

April 2002.
Die RIAA erklärt, das Phänomen der Piraterie sei in Anbetracht der Verhaftungen und Strafurteile in starkem Aufschwung.
Sie verlangt die Gründung eines Fonds, um ein Programm namens Computer Hacking and Intellectual Property (CHIP) zu entwerfen und Teil der Rechtsabteilung im Kampf gegen digitale Verbrechen zu werden.(2)

FastTrack registriert 20 Millionen User, zwischen 1 und 2 Millionen Swappers, die gleichzeitig untereinander verbunden sind.

Mai 2002.
KaZaA trifft ein Abkommen mit Verizon. Ziel soll sein, eine Strategie zur Überwindung der RIAA auszuarbeiten und die Urheberrechte direkt an die Autoren zu zahlen.

RIAA geht gegen Audiogalaxy vor. Die zentralisierte Struktur des Service macht es genau wie Napster vom rechtlichen Standpunkt aus sehr verwundbar. Innerhalb weniger Wochen wird der Service geschlossen. Die Swappers von MP3 erinnern sich an ihn als einen der effektivsten song-sharing-Dienste.

Juni 2002.
Die Vertreter der Distrikte von Kalifornien und North Carolina, Howard Berman und Howard Colbe, bringen im Kongress in Washingten einen Vorschlag auf die Tagesordnung, der „Berman’s Bill“ genannt wird. Es handelt sich um die Reglementierung und Legalisierung von Attacken, DoS oder anderer Art, die von einer Person oder Firma ausgehen, die die eigenen Urheberrechte verteidigen möchte und sich gegen Computer und Dateien bestimmter Peer-to-Peer-Netzwerke richtet. Der Copyright-Eigentümer soll also Selbstjustiz üben dürfen.
Die Initiative stößt auf tiefe Zweifel und erregt viel Polemik: der legale Konsument von Musik und der Swapper sind oft ein und dieselbe Person. Ist eine Firma, die ihre eigenen Kunden bestraft, ein gutes Marktmodell?
RIAA beglückwünscht Barman zur Initiative.
Eine amerikanische Gesellschaft, die MediaForce, bietet nun Firmen einen Service an (MediaDecoy), die das Copyright der eigenen Werke verteidigen wollen.
Im Juli wird die Website der RIAA von unbekannten Hackern angegriffen (DoS) und außer Gefecht gesetzt.

August 2002.
Viele Internet-Service Provider (ISP) erklären ihr Nichteinverständnis mit „Berman’s Bill“ und verkünden, ihre eigenen Kunden schützen zu wollen.

High Fidelity MP3
Im Jahr 2000 hat Texas Instruments Burr-Brown gekauft, eine amerikanische Firma, die DAC (Digital to Analog Converter) zum qualitativ hochwertigen Abspielen von CDs produziert. Die exzellenten Leistungen dieser Chips beim Lesen der MP3-Formate überzeugen viele begeisterte Hi-Fi-Anhänger.


„Stell Dir vor, Du kaufst nie wieder eine CD oder eine Kassette. Kein Zischen, kein Springen, kein Nichts. Zu den interessantesten neuen Dingen im Internet gehört der Download von Musik. MP3-Dateien schwirren zu Hunderttausenden durchs Netz. Hersteller produzieren Pläne. Die gesamte Musikwelt verändert sich. Dies schafft enorme Wachstumschancen für die Firmen, die zuerst kommen." (Texas Instruments. Internet audio: Overview). Die Chips kosten pro Stück etwa 4 Dollar.

September 2002.
Das Problem des Konflikts zwischen dem Schutz des Copyrights und dem Song-Swapping-Phänomen beginnt auswegslos zu erscheinen. Die Wege der digitalen Sicherheit“ (SDMI)und der Repression (Prozesse, Gesetzesänderungen) haben sich als ineffizient, teuer und unpopulär herausgestellt.
Die RIAA entscheidet, in einer Antipiraterie-Kampagne auf die Gefühle der Song-Swappers zu spekulieren, die in den wichtigsten landesweiten Tageszeitungen erscheint:

„Wen gehen illegale Downloads wirklich etwas an? - Künstler und Songwriter jeglicher Stilrichtung gegen das illegale Kopieren...“ (musicunited.org).

„Raubkopien entziehen Songwritern, Produzenten und Künstlern die Anerkennung des gemeinsamen Geschenks der Musik.“ Trisha Yearwood

„Unsere Industrie muss eine starke Position einnehmen gegen den Diebstahl unserer Werke, unserer Musik, ansonsten werden sie so billig wie Müll auf der Straße.” Stevie Wonder

„Künstler und Komponisten- vor allem jüngere- werden keine Chance haben, zukünftig Musik zu machen, wenn ihre Aufnahmen einfach so gestohlen werden.“ Luciano Pavarotti

„Lasst die Schwarzhändler links liegen, und Ihr pflastert den Weg für die nächste Unternehmergeneration." Missy Elliott

"Genauso gut kann man in einen CD-Laden gehen, die CDs in die Tasche stecken und ohne zu bezahlen rausgehen." Mark Knopfler

„Würdest du in einen CD-Laden gehen und eine CD stehlen? Es ist genau das gleiche, wenn Leute im Computer unsere Musik stehlen." Britney Spears

„Es sieht vielleicht ganz harmlos aus, aber immer, wenn man illegal Musik herunterlädt, wird ein Songwriter nicht bezahlt. Und immer wenn man die neue Musik mit seinen Freunden hin und herschiebt, verliert ein neuer Künstler seine Chance. Du hast es in der Hand. Unterstütze die Musik, aber stiehl sie nicht!“ Dixie Chicks

„Ein Album zu machen ist Teamarbeit, wenn also jemand eine Platte raubkopiert, schadet das nicht nur dem Künstler, sondern auch seinen Mitarbeitern, den Co-Producern, Co-Writern und Musikern. Sagt nein zum Raubkopieren." Shakira

„Ich liebe Musik. Ich liebe auch das Internet. Leider ist mit dem Internet auch die Piraterie gekommen. Sie ist schlecht für die Musik. Was kann ich tun, um sie aufzuhalten? Mich weigern mitzumachen, so einfach ist das.“ Joshua Bell

„Wir betrachten das wirklich als Diebstahl, das ist für uns ganz klar; entweder bezahlt man es oder man zahlt nicht. Ihr zahlt nicht.“ Nelly

Es folgen die Unterschriften von 79 anderen Künstlern und Autoren.

Nur zwei Monate vorher hat der Musiker David Bowie der New York Times ein Interview gegeben:
„Ich habe keine Ahnung, warum ich in ein paar Jahren noch bei einem Label sein sollte, weil ich nicht glaube, dass es dann noch so funktioniert, mit Labels und Verteilungssystemen ... Die absolute Veränderung all dessen, was wir jemals über Musik gedacht haben, wird in den nächsten zehn Jahren vonstatten gehen, und nichts kann sie aufhalten. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man behaupten kann, das würde nicht passieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass es in 10 Jahren kein Copyright mehr geben wird, und genauso wird es Urheberschaft und geistigem Eigentum ergehen ... Musik wird wie Wasser oder Strom sein ... So ist es, nutze diese letzten Jahre, nichts davon wird wiederkehren. Am besten geht man viel auf Tour, nur da erlebt man noch einzigartige Situationen. Es ist verdammt aufregend. Andererseits ist es egal, ob man es nun aufregend findet oder nicht: es wird so oder so geschehen.“

Schon zwei Jahre vorher hatte sich David Bowie als Fürsprecher von MP3 und Napster erklärt. Wie er haben sich auch andere, unterschiedlich berühmte Künstler aus verschiedenen Genres und Generationen für das Song-Swapping ausgesprochen; für sie ist es eine Öffnung für neue Verbreitungsmöglichkeiten eigener Werke und wie ein direkter Kommunikationskanal zu den eigenen Fans: so John Flansburgh von den They Might Be Giants (TMBG), Chuck D von Public Enemy, Colin Greenwood von Radiohead oder Princess Superstar, um nur einige wenige zu zitieren.

Auf der Site der Electronic Frontier Foundation (EFF) veröffentlicht die Band Negativland im Januar 2002 eine lange Erklärung mit dem Titel: „In Support of Peer-to-Peer File Sharing“.

Oktober 2002.
Gnutella 2 entsteht. G2 ist ein Neuanfang für das Gnutella-Network: ein offenes und flexibles Protokoll, entworfen, um neue und zukünftige P2P-Technologien zu unterstützen. Genaue Spezifizierungen werden bald erhältlich sein. Bis dahin möge es ein Blick auf shareaza.com tun.