adonnaM.mp3
Über die Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung
Eine MP3-Chronologie
Von den Anfängen bis Dezember 1998
Januar 1999 bis September 2000
September 2000 bis Ende 2001
Januar 2002 bis heute
Fotos der Ausstellung
Die Designarbeiten
I love you
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO

Luca Lampo & Marina Serina [epidemiC]

Eine MP3-Chronologie: Teil 1, von den Anfängen bis Dezember 1998

Technische Entstehung und die Underground-Anfänge von MP3

1992.
Die Moving Pictures Experts Group genehmigt MPEG-1 als Standard für Digitalspeicher und Retrieval für bewegte Bilder und Töne. MPEG Audio Layer III, auch MP3, speichert hochwertige Audio-Clips von CDs.

MP3
MPEG 1 oder 2, Layer 3 oder MP3 ist ein Audiokompressionstandard, der Tracks von einer Audio-CD in einer digitalen Datei von einem Zehntel der ursprünglichen Größe komprimieren kann. Dann können Songs problemlos auf der Festplatte eines jeden PC gespeichert werden, ohne dass es zu einem Verlust an Tonqualität kommt. User können ihre Musiksammlung an ihrem Computer, an einer dem PC angeschlossenen Stereoanlage oder mit Hilfe eines Internet-Radiosenders verwalten. Da die MP3 sehr klein ist, können mehrere Stunden Musik auf ihr gespeichert werden, nicht wie bei der traditionellen CD nur ca. eine Stunde.


1993.
In Kalifornien entsteht auf einem Universitätsserver ein erstes Archiv mit Musikdokumenten. „Seit November 1993 hat das Internet Underground Music Archive (IUMA) mit der Komprimierung von Audiodokumenten im international standardisierten MPEG Audio Format zur Verbreitung von Musik im Internet beigetragen. Wegen des rasanten Wachstums des Internet (es gibt heute 20 Millionen User, monatlich kommen circa 1 Million dazu) erwarten wir, dass das Internet Underground Music Archive Ender der 90er Jahre der Mehrzahl aller Computernutzer zugänglich sein wird. Unser Ziel ist, eine öffentlich zugängliche, schnelle Internetseite aufrecht zu erhalten, die Musik, Kunst und Information zu allen Musikern, Bands oder Gruppen archiviert, die möchten, dass ihre Musik international frei verteilt wird ...“
IUMA (sunsite.unc.edu, Santa Cruz, California) wird später zu Radio-IUMA (iuma.com), eine noch heute existierende Internetseite.

1994-1997.
Das „MP3 Audio Consortium” (M3C,barista.stanford.edu/m3c/)wird gegründet, eine Mailing Liste, die als Diskussionsplattform zu MP3 genutzt wird.
„... Keiner von uns hatte ein wirkliches Interesse daran, illegal Musik zu kopieren; wir waren einfach davon begeistert, dass das Medium cool war. Wir entschlossen uns, ein offizielles Quorum zur Diskussion dieser Angelegenheit zu bilden, das MP3 Audio Consortium (eigentlich hieß es “The MPEG-3 Audio-Consortoim, bis Tristan Savartier von mpeg.org uns darauf hinwies, dass es MPEG-3 überhaupt nicht gab und MP3 eigentlich den MPEG Audio Layer 3 bezeichnete!). Eines unserer Mitglieder entwarf ein Logo, ich kümmerte mich um die Website und eine Mailing List. Unter dem Spitznamen M3C wuchsen wir rasch an.” (Aus einem Interview mit dem Gründer von M3C).

Tomislav Uzelac von „Advanced Multimedia Products“ programmiert die erste Software für einen Player, der MP3-Dateien abspielen kann, die „AMP MP3 Playback Engine“.

Justin Franke und Dmity Boldyrev verlassen die Universität von Utah, um „Winamp“ zu programmieren, eine freeware-Software für Windows, die zum beliebtesten MP3-Player werden sollte. (3)

Dokumente im MP3-Format beginnen im Internet aufzutauchen, auf Univesitätsservern, Homepages von Begeisterten, auf Sites der “Warez Scene”, IRC-Kanälen, bei „Free-Webspace“-Diensten (idrive.com, freedrive.com), Hotline-Servern, vor allem aber auf FTP-Servern, wo Seiten wie ftpsearch.com, palavista.com und look4mp3.com effektive Suchdienste anbieten.

Michael Robertson kauft die Domain „MP3.com“ für Tausend Dollar von Paul Martin ab.(3)

MP3.com wird im November 1997 gegründet; 3000 Songs können kostenlos heruntergeladen werden. In den folgenden 12 Monaten wird sie zur beliebtesten Musikseite im Internet, 3 Millionen Zugriffe werden monatlich verzeichnet.


Wirtschaftslobbys, Anfänge des Konflikts „Eigentum gegen Freiheit“.

1998.
Der erste MP3-Player erscheint auf dem Markt. Sein Name: „Mpman“, eine Anspielung auf Sonys ersten Walkman.(1)

Mit dem Einverständnis der Autoren, stellt MP.com „Sleeping with an Angel“ und „Find a Way“, zwei neue Tracks von Billy Idol ins Netz. Capitol Records erhebt Einspruch und erreicht, dass schnell wieder aus dem Netz genommen werden.

Chuck D. stellt unveröffentlichte tracks aus dem neuen Album “Bring the Noise 2000” von Public Enemy zum kostenlosen Downloaden ins Netz. Sein Label „Def jam, ein Sublabel von PolyGram zwingt ihn dazu, sie wieder aus dem Netz zu nehmen. Daraufhin steigt er aus seinem Vertrag aus.

1998.
Diamond Multimedia Systems will einen tragbaren MP3-Player auf den Markt bringen, „Rio PMP300“. Er soll 199 $ kosten und über eine Speicherkapazität verfügen, die 60 Minuten qualitativ hochwertiger Musik entspricht. MP3-Files können nun auch ohne PC angehört werden.

Oktober 1998.
Fünf Pioniere des schnell wachsenden Markts für Musikdownloads („GoodNoise“, „MP3.com“, „MusicMatch“, „Xing Technology“ und „Diamond Multimedia“) verkünden die Gründung der „MP3 Association“, eine Industry Trade Group, die sich mit der fortdauernden Entwicklung und Adaption des MP3-Standards befasst. Die MP3 Association hat drei vorrangige Ziele: die MP3-Technologie soll als das digitale Musikformat der Zukunft beworben werden, Konsumenten sollen über MP3 und deren legalen Gebrauch belehrt werden. Außerdem sollen Musikern und Entwicklern neue kreative Wege eröffnet werden. Die MP3 Association wird vom 2.- 4. November 1998 bei der Webnoize-Konferenz in Los Angeles ausstellen.

GoodNoise Corporation, Sitz in Palo Alto, CA, ist eine Internet-Record-Company, die das Internet als Plattform für den Verkauf und die elektronische Lieferung von Musik benutzt. Mit ihrem überzeugenden Repertoire an führenden alternativen und modernen Rock-Künstlern bietet die Goodnoise-Website Musikfans eine einfache und bequeme Möglichkeit, die interessanteste aktuelle Musik zu testen und zu kaufen.

MP3.com, Sitz in San Diego, CA, wurde im November 1997 von Michael Robertson gegründet. Mit über 3.000 Songs zum Download wurde MP3.com für 3 Millionen Besucher monatlich schnell zur führenden Internet Seite für Musikdownloads. Bis heute wurden mehr als 5 Millionen Songs von MP3.com herunter geladen, wo das DAM-Programm (Digital Automatic Music) Künstlern digitale Verbreitung mit 50% Gewinnanteil anbietet. Über 1.000 Künstler und 100 Labels nehmen aktiv an MP3.com als Werbung für ihre Musik teil.

MusicMatch, Sitz in Camas, WA, wurde im Februar 1997 gegründet. Die Firma entwickelt vollständig auf MP3 ausgerichtete digitale Klanglösungen, mit deren Hilfe man multimediale PCs zu leistungsstarken Komponenten von Stereosystemen machen kann.

Xing Technology Corporation, Sitz in San Luis Obispo, CA, ist der führende Provider von MPEG Audio- und Digitalsoftware. Seit der Gründung im Jahre 1990 ist Xing leitender Erfinder aufkommender Medienstandards, einschließlich MPEG-2 Video, DVD und MPEG 1 oder 2, Digital Audio Layer 3 (MP3).

Diamond Multimedia Systems, Sitz in San Jose, CA, führt den interaktiven Multimedia-Markt mit fortgeschrittenen Lösungen für Heim-, Büro- und professionelle Desktop-Computernutzer an. Sie können von ihrem Desktop und im Internet auf überwältigende neue Medieninhalte zugreifen, sie schaffen und erleben. Diamonds neuer Rio PMP300 ist ein tragbarer, leichter digitaler Music Player, mit dem sich bis zu 60 Minuten digitaler hochwertiger Musik speichern und mixen lassen und bis zu acht Stunden Stimmen aus dem Internet oder einem PC. Das Gerät benutzt MP3-Kompression und zeichnet sich durch ein einfaches Interface aus, um Dateien problemlos auf den PC transferieren und konvertieren zu können.

Die „Recording Industry Association of America“ (RIAA) bringt Diamond Multimedia vor Gericht und verlangt den Auslieferungsstopp für den „Rio MP3 Player“. RIAA wirft Diamond vor, den Audio Home Recording Act (AHRA) von 1992 verletzt zu haben und damit Musikhäusern schwere wirtschaftliche Verluste zugefügt zu haben. Das vorläufige Urteil weist die Anfrage der RIAA zurück; der tragbare Player wird weiter verkauft und zwar bis zu einer durchnittlichen Wochenverkaufszahl von 10.000 Stück.
Diamond wiederum verklagt die RIAA wegen Verletzung der Antitrust-Regelungen, Verleumdung und unlauteren Wettbewerbs. Der Schlussspruch des Gerichts von Kalifornien im Juni 1999 sichert der Diamond Multimedia auf Grundlage einer vorhergehenden Entscheidung, Betamax VCR (Video Cassette Recorder) von Sony 1984 betreffend, den Sieg zu. Sony wurde damals beschuldigt, Piraterie zu ermutigen, gewann jedoch den Prozess, weil bewiesen werden konnte, dass man mit Betamax VCR zwar Kopien von Raupkopien machen konnte, dies jedoch weder der typische Gebrauch des Geräts war noch das Ziel, zu dem es entworfen und realisiert wurde. Kurz, es wäre ungerecht gewesen, Betamax VCR wegen eines möglichen Gebrauchs zu illegalen Zwecken zu bestrafen.

RIAA - (riaa.org)
The Recording Industry Association of America (RIAA) wurde 1952 gegründet. Die RIAA ist die Handelsgruppe, die die US-amerikanische Plattenindustrie repräsentiert. Ihr Ziel ist es, ein Geschäfts- und Rechtsklima zu schaffen, das die kreative und finanzielle Vitalität ihrer Mitglieder unterstützt und fördert. Mitglieder sind Plattenfirmen, aus den bedeutendsten internationalen Musikindustrien. RIAA©- Mitglieder produzieren und/oder vertreiben circa 90% aller legitimen Tonaufnahmen, die in den USA produziert und verkauft werden. Neben dieser Zielsetzung arbeitet die RIAA an dem weltweiten Schutz des geistigen Eigentums; sie will die Konsumindustrie und die technische Forschung leiten; staatliche und föderative Gesetze, Regulierungen und Richtlinien sollen überwacht und geprüft werden. Zu den größten Plattenhäusern, die von der RIAA repräsentiert werden, zählen: Sony, EMI, BMG, Time Warner, Warner Music, Seagram, Universal, Bertelsmann.


Audio Home Recording Act (AHRA)
1992 unterzeichnet Präsident Bush den “Audio Home Recording Act”. Von vielen als historischer Kompromiss betrachtet, ist der ARHA das erste offizielle Dokument, das dem Konsumenten ein Gebrauchsrecht und dem Verkäufer das Verkaufsrecht für alle Geräte, die aufnehmen oder vervielfältigen können, sei es auf analoge oder digitale Art, zugesteht.
Die Möglichkeit der Vervielfältigung ist auf den Privatgebrauch beschränkt, und so erlaubt der ARHA nur eine erste Generation an Kopien, verbietet jedoch die serielle Nutzung des Geräts zu kommerziellen Zwecken.
In dem Kompromiss ist die Zahlung einer mäßigen Steuer vorgesehen, die von der ersten „Person“ aufgebracht werden soll, die in den Verbreitungsprozess verwickelt ist, die Produktionsfirma oder das Importhaus; keine geldwerte Entschädigung wird vom Verkäufer oder vom Endnutzer verlangt. Die als prozentualer Anteil vereinbarte Summe wird vom „Register of Copyrights“ und dem „Librarian of Congress“ verwaltet: zwei Drittel gehen an den Sound Recordings Fund und der Rest an den Musical Works Fund.


Digital Millennium Copyright Act (DMCA)
Der DMCA (Digital Millenium Copyright Act) ist ein Gesetz, das von der Regierung Clinton am 28. Oktober 1998 auf Grundlage der Vorschläge der WIPO (World Intellectual Property Organization) erlassen wird.Es besteht aus fünf Artikeln, die dem Schutz und dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter gewidmet sind. Der erste Artikel des DMCA befasst sich besonders mit den technologischen Aspekten des Urheberrechts und definiert neue Straftatbestände:
- Umgehung der technologischen Schutzmaßnahmen (sowohl bezüglich des Zugangs als auch der Kopie von geschützten Daten). (Circumvention of Technological Protection Measures)
- Verletzung der Verwaltungsintegrität der Informationen bezüglich des Urheberrechts. (Integrity of Copyright Management Information)

Der DMCA verbietet die Schaffung und den Verkauf von Geräten oder Dienstleisungen, die eines der oben genannten Verbote betreffen; man muss jedoch betonen, dass die Kopie geschützter Arbeiten von dem Gesetz nicht ausdrücklich negiert wird. Der Norm zum Urheberrecht zufolge kann die Kopie in bestimmten Fällen als korrekte Nutzung (englisch „fair use“) des geschützten Werks betrachtet werden.

Es bleibt die Frage der Copyright Management Information (CMI). Es geht um nichts anderes als eine Art elektronisches Kennzeichen, das Informationen zum in Frage stehenden Werk enthält, zum Autor, dem Inhaber der Rechte und ähnlichem. Zum Glück ist es dem CMI strengstens verboten, Informationen über den User anzugeben, der das Objekt besitzt.Auch in diesem Fall sieht das Gesetz zwei mögliche Straftatsbestandsarten vor:
- Falsifizierung der Copyright Management Information (CMI).
- Beseitigung oder Abänderung der Copyright Management Information (CMI).


Hilary Rosen von der RIAA berichtet von „80 Webseiten, die meisten aus Amerika, mit über 20.000 MP3-Files, 99% davon unautorisiert“.(3)

Die Beastie Boys ermöglichen den freien Zugang auf ihrer Webseite zu fünf MP3-Files, es sind Live-Versionen des Titels „Intergalactic“, einem unveröffentlichten Track. Capitol Records verlangt die unverzügliche Entfernung der Files und nachdem die Gruppe damit droht, ihren Vertrag aufzulösen, werden sie dazu überredet, das Format in ein Streamin-Format zu ändern.(3)

Dezember 1998.
In New York stellt die RIAA in einer Pressekonferenz das Projekt SDMI, „Secure Digital Music Initiative“, vor. Das Ziel von SDMI ist, ein globales Schutzsystem für musikalische Werke zu schaffen, die digital reproduziert wurden. Die heutige Technik gestattet tatsächlich, digitale Kopien anzufertigen, die vom ebenfalls digitalen Original nicht mehr unterscheidbar sind. Dies befördert die Produktion und Verbreitung von Werken, ohne dass Autoren, Interpreten, Produzenten und Musikhäuser die ihnen zustehenden Gewinnanteile erhalten.
Die Anpassung der Produktionshäuser (von Software und Hardware) an die von der SDMI vorgeschlagenen Verhaltensregeln müsste eine Verbreitung von digitalem Audiomaterial gewährleisten, die im Einklang steht mit den Gesetzen zum Schutz des geistigen Eigentums.

Secure Digital Music Initiative (SDMI) - (sdmi.org)
Die Secure Digital Music Initiative ist ein Forum, das über 200 Firmen und Organisationen zusammengebracht hat, die Vertreter der Informationstechnologie, Elektronikkonsumenten, Sicherheitstechnologie, der weltweiten Schallplattenindustrie und Anbieter von Internetdiensten vereinen.

Ziel von SDMI ist, offene Technologien zu entwickeln, die das Abspielen, Speichern und Verbreiten von digitaler Musik schützen, sodass ein neuer Markt für digitale Musik entstehen kann. Die open-technology-specifications von SDMI sollen
- Konsumenten einen bequemen Zugang, online und in neu entstehenden digitalen Distributionssystemen, zur Verfügung stellen,
- Copyright-Schutz für Kunstwerke schaffen, und
- die Entwicklung von neuen musikbezogenen Technologien und Geschäftszweigen fördern.


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