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Lorenzo Fonda & Davide Terenzi: Their circular lif
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Lorenzo Fonda & Davide Terenzi: Their circular life


digitalcraft-Designerfeature: Their Circular Life --> go to

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--> Their circular life auf der Original-Domain

--> Sueo: Ein weiteres Projekt von Davide Terenzi (url: www.sueo.it)

-->CERBEROLESO - Ein weiteres Projekt von Lorenzo Fonda (url: www.cerberoleso.it)



Lorenzo Fonda über die Idee, Konzeption und Entwicklung von Their Circular Life:

Die Idee von „Their circular life“ entstand im Mai 2001, damals noch mit der Zielsetzung, etwas für „Threeoh“ und ihren „1st may reboot” zu machen. Ich dachte in dieser Zeit viel darüber nach, wie das Web aussah: Viele hübsche Seiten mit tonnenweise Grafikdesign, aber ohne eine Idee oder gar ein Konzept dahinter. Sobald ich die Seiten wieder verlassen hatte, war nichts bei mir hängengeblieben. Die Pages enthielten im Navhhinein einfach nichts, worüber es sich gelohnt hätte, nachzudenken. Dabei glaube ich gar nicht, dass die Leute, von denen diese Seiten stammten, nichts zu sagen hatten. Nur: Sie hatten offenbar überhaupt kein Interesse daran, ihre Gedanken im Web auszudrücken. Ich schon. Und ich suchte einen Weg, dies auf möglichst einfache und direkte Art und Weise zu tun, vor allem um zu zeigen, dass es nicht unzähliger Vektoren bedarf, um etwas zu kommunizieren. Also versuchte ich ein Konzept auszuarbeiten.

Ich erinnere ich nicht mehr daran, womit ich damals sonst noch beschäftigt war, aber ich fand mich immer wieder bei dem Gedanken an Momente wieder, in denen man sich mitten auf einem großen Platz in einer Stadt befindet, der tagsüber von Menschen bevölkert ist, aber in der darauffolgenden Nacht komplett leer und still liegt, und immer so weiter. Ich entschied schließlich, dass ich genau dies kommunizieren wollte: Das Leben der Menschen und seine Bewegung in endlosen Kreisen, und vor allem auch inwiefern solche Plätze in einer Stadt ihr eigenes Leben haben.
Das Problem war nun, einen Weg zu finden, um diese Idee zu erklären. Nun, wer kann dir besser erklären, was an einem Ort passiert, als dieser Ort selbst? Der „Erzähler“ des Lebens der Menschen war also gefunden, es sollte die urbane Struktur selbst sein.

Das Konzept sah wie folgt aus: Der User sollte aus einem stetig gleich bleibenden Blickwinkel zum Zeugen eines kompletten Tages werden, er sollte dadurch die Möglichkeit haben, zu einem aussenstehenden Beobachter der Zyklen des Lebens der Menschen zu werden. Als Medien kamen Fotografie, Klang, Text und auch etwas Grafikdesign in Frage. Das Werkzeug, um dies zusammenzusetzen, war Flash.

Ich arbeitete die Idee aus und machte Entwürfe. Dabei bemerkte ich, dass es gut werden würde und gab die Reboot-Idee auf, um meine Zeit ganz dem Projekt zu widmen. Ich kontaktierte meinen Partner Davide Terenzi und erklärte ihm die Idee. In wenigen Tagen hatte ich ein Navigationskonzept fertig und er, der großartige Flash-Artisan, zeigte mir die ersten konkreten Beispiele, wie es praktisch umgesetzt werden konnte: Ich staunte! Wir waren schon soweit, die Fotos schießen zu können. Das erste Fotoshooting fand schließlich in Modena statt. Ich begann um fünf Uhr in der Frühe und blieb bis kurz vor Mitternacht. Ein Rausch. Danach nahmen wir noch ein paar Sounds auf und besorgten uns das Fehlende aus dem Internet.

Post-Production! Nun war Davide gefragt. Mittels Action Scripting konnte er praktisch alles umsetzen, was wir uns vorgestelt hatten. Es war harte Arbeit, die passenden Sounds für die jeweiligen Fotos zu finden, aber davon abgesehen klappte alles ganz vorzüglich. Wir wussten genau, was wir wollten und kamen schnell voran. Bald war die erste Stadt fertiggestellt und wir stellten das Projekt unter dem Titel „An exploration about human behaviour“ online.

Die Resonanz war umwerfend. Wir gewannen einige Preise und über das Projekt wurde in Webdesign-Portalen anerkennend gesprochen. Wir genossen den Sommer und beschlossen im September, dass es Zeit für eine zweite Runde sei. Davide studierte Architektur in Venedig und wir hielten das für eine großartige Stadt, um Fotos zu machen. Wir wählten den Ort aus (derselbe, den man zu Beginn von „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ sieht) und um 5 Uhr früh liessen wir uns neben einem schlafenden Obdachlosen und hysterischen Tauben nieder. Eine Stunde später, wir hatten gerade bemerkt, dass die Batterien unsere Kamera zur Neige gingen, öffenete sich das erste Fenster auf dem Platz. Direkt über unseren Köpfen. Wir erklärten der Frau unser Problem: zwei Minuten später waren unsere Kamera und unser Powerbook über das Haus der nettesten Familie Venedigs wieder angeschlossen. Das Fotoshooting war sehr lustig. Unglaublich viele Menschen fragten uns im Laufe des Tages was in Teufels Namen wir da gerade machen würden. Am Ende kam sogar die Polizei und schickte uns schließlich weg. Also nahmen wir schnell noch die letzten Sounds auf und gingen.

Zurück im Studio wurde die Montage gemacht. Wir bekamen alle Probleme in den Griff, korrigierten noch das Intro und fanden einen neuen Namen für das Projekt: „Their Circular Life“ war definitiv geboren und bekam bald seine eigene Domain.

Immer noch können wir gar nicht glauben, wie viel positives Feedback wir bekommen. Wir lieben dieses Projekt und denken darüber nach, welche Städte und Platze wir noch nehmen könnten. Wir lieben das Gefühl, den Computer stehen zu lassen, um auf die Straße zu gehen und zu fühlen, was der Kern unserer Arbeit ist. Wir lieben die Art wie Menschen sich natürlich bewegen, wir lieben das, was man entdecken kann, wenn man über längere Zeit an einem Platz stehenbleibt und diesen beobachtet. Wir lieben die Art und Weise, in der jede Person, die mit unserem Projekt interagiert, die Sache anders sieht.

Lorenzo Fonda, im Februar 2002