adonnaM.mp3
I love you
Der Katalog
Franziska Nori: I love you
Massimo Ferronato: Die VX-Szene
Sarah Gordon: Die Neuordnung ethischer Lehrpläne
Alessandro Ludovico: Der Virus, seine Faszination
epidemiC: Action Sharing
epidemiC: AntiMafia
epidemiC: Audience versus sharing
0100101110101101.0rg: Vopos
Jaromil: :(){ :I:& };:
Jutta Steidl: Wenn ( ) Dann ( )
Florian Cramer: Die Sprache, ein Virus?
Csilla Burján: Chronologie der Viren
Humboldt-Universität: Glossar der Virenarten
Fotos der Ausstellung
Was ist ein Computervirus?
viren_links
Der Flyer
Das Plakat
origami digital - Demos without Restrictions
SMS museum guide
digitalcraft STUDIO
Action-Sharing

Von epidemiC Crew


Während seiner Entwicklung war [epidemiC] überzeugt, dass das Risiko einer “administrierbaren” Ästhetik des künstlerischen Systems die fundamentalen ethischen Voraussetzungen künstlerischer Arbeit grundlegend bedroht. Wie schon von Beuys vehement deklariert wurde: “Die Künstler sind die reaktionärste Klasse. Im Grunde existieren keine Klassen mehr, doch die Künstler sind so reaktionär, dass sie praktisch von neuem eine Klasse bilden”. Wie kann man weiterhin “Virus” sein, also wie verhindert man die ethische Demobilisierung, und wie schafft man gemeinsam die Prämissen für eine direkte Aktion kollektiver und verbreiteter Kreativität? Aus dieser Intention heraus entstand AntiMafia, ein sozialer Virus, der sich aus der vorhergehenden Reflexion über die Ästhetik des Quellcodes entwickelt.

Innerhalb der Grenzen eines gemeinsamen Gebiets erlaubst du mir, das zu nehmen, was ich möchte, und ich erlaube dir, das zu nehmen, was du möchtest. Dies war bisher immer die Philosophie des Peer-to-Peer.

Wenn du mich nehmen lässt, was ich möchte, lasse ich dich nehmen, was du möchtest – im Rahmen eines gemeinschaftlichen Bereichs. Das ist Peer-to-Peer. Diese Technik ist im Internet selbstverständlich und schafft, auf das verbreitete sozio-ökonomische System angewandt, Probleme, die stets im Zusammenhang mit Urheberrecht und Eigentum stehen: Wenn du mir etwas überlässt, dass nicht dir gehört, aber sich in deinem Besitz befindet, dann mache ich es ebenso. Das ist ein unvermeidlicher Prozess, der jedoch als illegal angesehen wird. Das Neue besteht darin, dass es für eine immer größere Zahl von Menschen möglich wird, jemandem etwas zu überlassen, das von ihnen nicht als Eigentum angesehen wird, ohne dafür auf etwas zu verzichten, einfach durch die Erlaubnis, eine Kopie, ein Duplikat anzufertigen. So produziert die Verfügbarkeit “Reichtum”. Je mehr ich geben kann, desto mehr Gelegenheiten habe ich, zu nehmen. Die auf diesen Prozess folgende Intuition ist grundlegend innovativ im Vergleich zu den bestehenden Regeln zu “Eigentum” und “Legalität.”

“Sich selbst eigene Gesetze zu geben, in den Bereichen, in denen das möglich ist, erfordert die Fähigkeit und den Mut des Individuums, der Summe der Konventionen und Überzeugungen entgegenzutreten, der Mode, den Besserwissern, die nicht aufhören, absurde Konzessionen zu unterstützen, den Medien, dem öffentlichen Schweigen und so weiter. ”Castoriadis

Diese Hinwendung zu einer eigentlichen individuellen Autonomie wächst gleichzeitig und parallel zur Hinwendung zu einer sozialen Autonomie. Die Individuen wollen ihre Autonomie im sozialen wie im individuellen Maßstab.

Wenn zwei Menschen im Netz mp3-Audio-Dokumente austauschen, sagen sie damit einvernehmlich aus: “Dieses Gesetz, das das verbietet, ist nicht mein Gesetz.” Also machen sie Politik.

[epidemiC] hat sich gefragt: Wie kann man die individuellen Autonomien, die am Entstehen sind, koordinieren und synchronisieren, so dass das Entstehen von Autonomie und sozialer Kreativität gefördert wird?

Bisher hat sich die Parität des Teilens über den Weg des Informationsaustauschs, des “File Sharing”, manifestiert. Ist es theoretisch möglich, auch kollektive Ereignisse zu teilen? Ist so etwas wie ein “Action Sharing” denkbar? Die Antwort darauf ist: AntiMafia.

AntiMafia ermöglicht Koordinierung, verfügt jedoch über keine Koordinatoren, ermöglicht die Synchronisation, aber besitzt keine Metronome, die von oben ihren Rhythmus skandieren. Also ist auch die klassische Figur des vorherrschenden Künstlers nicht vorgesehen.

Die Events, die AntiMafia generiert, stammen aus der Gemeinschaft der Teilnehmer (Knoten). Jeder AntiMafia-Knoten handelt in voller Autonomie, ohne Mandat, und entscheidet persönlich, was richtig ist und was nicht, woran er teilnehmen will und womit er nicht übereinstimmt. Dem Ausdruck des persönlichen “Gesetzes” eines jeden Knotens (autónomos) entspringt die soziale Autonomie, in der jedes Individuum fühlt, dass bei hoher Übereinstimmung die “sozialen Gesetze” auch seine individuellen “Gesetze” sind. AntiMafia fördert einen demokratischen Prozess, der die Abgabe der Eigenverantwortung verhindert, die auftritt, wenn man delegiert. Die Handlung des Widerspruchs ist umso mächtiger, je mehr sie mit dem persönlichen “eigenen Gesetz” zusammenfällt. Die sozialen Regeln sind die Regeln der direkten Mehrheit der Individuen.